Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte/1/221

aus GenWiki, dem genealogischen Lexikon zum Mitmachen.
Zur Navigation springen Zur Suche springen
GenWiki - Digitale Bibliothek
Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte
Register  |  2. Band  |  3. Band  |  4. Band
1. Band  |  Inhalt des 1. Bandes
<<<Vorherige Seite
[220]
Nächste Seite>>>
[222]
SH-Kirchengeschichte-1.djvu
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Bevor dieser Text als fertig markiert werden kann, ist jedoch noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.



Kirche über die Bilder; merklich ist dabei, daß, während die Griechen und Italiener dem Bilderdienst sich ergaben, die Germanischen Völker der Verehrung derselben sich widersetzten, wenn sie auch ihre Beibehaltung zugaben. Karl der Große eiferte gegen den Bilderdienst, und die Kirchenversammlung zu Frankfurt am Main 794, die er halten ließ, sprach sich gegen alle Verehrung der Bilder aus, nicht gemäß dem Sinne des damaligen Papstes, und eine neue Kirchenversammlung zu Paris 824 bestätigte das Verbot der Verehrung. Dennoch fand in der Folge die Anbetung der Bilder immer mehr Eingang, auch im Abendland und im Norden. Bestimmte Erwähnung der Bilder finden wir indessen noch wenig in den ersten Zeiten als hier das Christenthum eingeführt ward; nur der Crucifixe und Kreuze wird häufiger gedacht, es lag aber die Anfertigung und Aufstellung von geschnitzten oder gemalten Bildern sehr nahe, da die Verehrung Marias und der Heiligen um die Zeit, als die Völker des Nordens in die Kirche aufgenommen wurden, schon sehr um sich gegriffen hatte, und das Christenthum in dieser Beziehung schon beträchtlich verunstaltet zu ihnen gelangte. Es mochte immerhin der Heiligendienst die Anschließung der Heiden an das Christenthum fördern, insofern sie darin gewissermaßen einen Ersatz für die gewohnte Vielgötterei fanden; doch ist zu bedenken, daß weit mehr bei den südlichen, phantasiereicheren Nationen dies der Fall war, als bei den nördlichen. Dort im Süden wurde der Heiligendienst in der That fast eine Fortsetzung des alten Heidenthums;[1] aber der Norden ist auch nicht frei davon geblieben.

Es wurden somit den Völkerschaften, zu denen die Kirche kam, allerdings auf bildliche Weise neue Vorstellungen zugeführt, theils von Wesen, die ihnen bis dahin unbekannt geblieben, theils von den


  1. Viel Interessantes darüber enthält die Schrift von John James Blunt: Ursprung religiöser Ceremonien und Gebräuche der römisch-katholischen Kirche, besonders in Italien und Sicilien. Aus dem Englischen. Leipzig und Darmstadt 1826. Die Tempel wurden geradezu in Kirchen umgewandelt, so z. B. ein Tempel der Vesta in eine Kirche der Madonna von der Sonne, wie das alte Pantheon in die Kirche aller Heiligen; die Heiligentage schlossen an die alten Götterfeste sich an; mancherlei heidnische Gebräuche blieben mit geringer Veränderung und christlicher Deutung u. s. w.