Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte/1/163

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Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte
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sind, sonst baute man wohl meistens von Holz, woran Ueberfluß war. Mit Sicherheit läßt sich aber im Schleswigschen die Gründung keiner einzigen Kirche durch Knud nachweisen.[1] Es ist hier einer vielfältig wiederkehrenden Sage in Betreff der ersten Erbauung der Kirchen zu erwähnen. Viele Kirchen im Schleswigschen hatten, wie erzählt wird, anfangs an einem anderen Platze stehen sollen, aber es gelang der Bau nicht. Was man am Tage baute, ward in der Nacht wieder zerstört. Die Materialien fand man etwa am Morgen an einer anderen Stelle, wo denn nun der Bau fortgesetzt werden konnte; oder man flehte um ein Zeichen vom Himmel, und am Johannistage fiel Schnee an dem Platze, der nach dem göttlichen Willen für die Kirche bestimmt war; oder aber, man konnte sich über den Ort, wo die Kirche stehen sollte, nicht einig werden, und band ein Paar Kühe oder Ochsen zusammen, die man dann gehen ließ: wo man am folgenden Morgen sie liegen fand, da baute man die Kirche. Das sind die Sagen, die sich sehr häufig wiederholen mit geringen Abweichungen. Daß es bei Erbauung der Kirchen Streit gab, ist leicht zu begreifen, zumal wenn sie für einen weitläuftigen Distrikt bestimmt waren. Wie manche Interessen durchkreuzten sich da! Aber wo man sich einig wurde und bauen wollte — warum konnte das nicht geschehen? Es ist merkwürdig genug, daß in der Regel sich an den Plätzen, die der Sage nach anfänglich für ben Kirchenbau bestimmt gewesen, Spuren heidnischer Begräbnisse finden: wir haben viele solcher Plätze untersucht, und es hat sich dies fast immer herausgestellt. Nun begreift sich aber eben so leicht, daß man für die Kirche (und den Kirchhof) am liebsten den Platz wollte, wo die Vorfahren bestattet waren, als daß die Geistlichkeit gerade jenen Platz, an welchen heidnischer Opferdienst sich knüpfte, für sehr ungeeignet hielt. Da mußte denn wohl mancher sogenannte fromme Betrug gespielt werden. Und als in der Folge mehrere Kirchen entstanden, scheinen wiederum die Interessen des Volks und der Geistlichkeit manchmal widerstreitend gewesen zu sein. Das Volk wünschte die Kirche möglichst in die Mitte des neuen Kirchspiels, die Geistlichkeit dahingegen möglichst nahe an der älteren Kirche, von welcher aus die neue, die nicht


  1. An der Kirche zu Bröns im Ripenschen Antheil des Herzogthums Schleswig sollen Duffsteine sein.